FAQs

Wir geben Ihnen Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um TEXAID und das Recycling von Altkleidern:

Seit der Entstehung der Papiermanufakturen in der Frühen Neuzeit.

Gebrauchte Kleidung wird in allen Ländern gesammelt.

TEXAID besteht aus der TEXAID-Arbeitsgemeinschaft und der TEXAID Textilverwertungs-AG. Die TEXAID-Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss der Hilfswerke:

  • Schweizerisches Rotes Kreuz
  • Winterhilfe Schweiz
  • Solidar Suisse
  • Caritas Schweiz
  • Kolping Schweiz
  • Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS)

Die TEXAID-Arbeitsgemeinschaft betreibt gemeinsam mit einem privaten Investor im Sinne einer Charity-Private-Partnership die TEXAID Textilverwertungs-AG.

Die an TEXAID beteiligten sechs namhaften Schweizer Hilfswerke sammelten traditionell Altkleider für ihre Direkthilfe. 1978 gründeten sie gemeinsam die Sammelorganisation TEXAID-Arbeitsgemeinschaft und schufen mit dem Sortierwerk in Schattdorf/Uri die Voraussetzungen für professionelles Sammeln, Sortieren und Verwerten der Altkleider und Schuhe. Die Hilfswerke erhalten aus den Verkaufserlösen Geldmittel, die direkt ihrer Hilfswerktätigkeit zugute kommen.

Die an TEXAID beteiligten Hilfswerke verstehen es nicht als ihre Aufgabe, ein Unternehmen zu betreiben, welches professionell Altkleider einsammelt, sortiert und verkauft. Daher haben sie die TEXAID Textilverwertungs-AG gemeinsam mit einem Experten auf dem Gebiet der Alttextilverwertung gegründet.

In den letzten Jahren ist der weltweite Bedarf an guter, tragfähiger Kleidung stark angestiegen. Hierfür gibt es folgende Ursachen: In afrikanischen Ländern ist Secondhand-Ware aus Europa eine gesuchte Alternative zu Kunstfasertextilien aus Asien. In Osteuropa führt die Öffnung der Märkte zu einem höheren Bedarf an guter, modischer Kleidung, sodass hier die Nachfrage stetig steigt. In Westeuropa hat ein Umdenken stattgefunden, hier steht die Schonung der Ressourcen und der Umwelt bei den Käufern im Vordergrund.

Unser Ziel ist es, Textilien weiter zu verwerten und damit Ressourcen zu schonen. TEXAID gelingt ein Secondhand-Wert von bis zu 65 Prozent. Damit übertreffen wir deutlich den europäischen Branchendurchschnitt, der bei ca. 45 bis 50 Prozent liegt.

Etwa 35 Prozent des Sammelgutes besteht aus stark beschädigten Textilien. Die Hälfte davon, etwa 15 Prozent, lässt sich zu Putzlappen verarbeiten, die in der Industrie beim Reinigen und Polieren eingesetzt werden.
Weitere 15 Prozent gehen ins Textilrecycling – sie werden zerfasert und als Rohstoff anderen Materialien beigemischt oder zu Dämmstoffen verarbeitet.
Nur 5 Prozent des Sammelgutes sind textile Abfälle oder textilfremde Materialien, die kostenpflichtig entsorgt oder der entsprechenden Separatsammlung zugeführt werden. Unter dem Strich kommt TEXAID auf einen vorbildlichen Weiterverwendungs- bzw. Recyclinganteil von 95 Prozent.

Schweizweit werden jährlich über 50 000 Tonnen gebrauchte Kleidung und Textilien entsorgt. Davon sammelt TEXAID über 36 000 Tonnen. Die Nachfrage von Kleiderkammern sowie aus Krisengebieten beansprucht nur einen geringen Teil der gesammelten Menge. Es gilt, die grosse Menge der verbleibenden Gebrauchttextilien nachhaltig sowie umweltschonend weiterzuverwerten, damit keine zusätzlichen Müllberge entstehen.

In enger Kooperation mit den karitativen Partnern sorgen wir dafür, dass die Erlöse, die mit dem Verkauf der gebrauchten Textilien erwirtschaftet werden, die Hilfswerke bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen. Die karitativen Organisationen verfügen nicht über das nötige Know-how, um die Massen an gebrauchter Kleidung fachgerecht weiterzuverarbeiten.

Die nachhaltige Verwertung von Alttextilien ist mit hohem Aufwand sowie mit Material-, Energie- und Personalkosten verbunden, die gedeckt werden müssen.

TEXAID verkauft gebrauchte Kleidung und Schuhe in zahlreichen eigenen Secondhand-Läden und exportiert zudem sortierte Altkleidung nach Osteuropa, Asien und Afrika. Unsortierte, aber von offensichtlichem Abfall bereinigte Textilien, werden an Sortierwerke in Italien, Belgien, Tunesien und Osteuropa verkauft.

Ein Teil der Altkleider wird in afrikanische Länder exportiert.

Wiederholt wurde in den Medien negativ über den Export von gebrauchten Textilien nach Afrika berichtet und behauptet, dass die Alttextilexporte die einheimischen Textilindustrien zerstören würden.

Dabei hat der Niedergang der Textilindustrien in afrikanischen Ländern vielschichtige Gründe:

Internationale Handelsabkommen, wie beispielsweise das Welttextilabkommen (1995) und der African Growth and Opportunity Act (2000), begünstigten die Entstehung der Textilindustrie in bestimmten Ländern Afrikas. Nachdem diese Abkommen ausliefen, verschwand auch die lokale Textilindustrie. Dies geschah unabhängig vom Import der Gebrauchtkleidung.
In den vergangenen Jahrzehnten verlagerte sich die internationale Textilindustrie weitgehend nach Asien und fand dort kostengünstige Produktionsstätten. Dadurch wanderten hunderttausende Arbeitsplätze nicht nur aus Afrika, sondern auch aus Europa und Amerika in den asiatischen Raum ab.
In einer Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen werden lokale Ursachen für den Niedergang der heimischen Textilindustrie verantwortlich gemacht. Hierzu gehören schlechte gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen, politische sowie rechtliche Instabilität, mangelnde Produktivität von Betrieben und Wettbewerbsverzerrungen, z. B. durch hohe Zölle für textile Rohmaterialien.
Darüber hinaus sollte festgehalten werden, dass die Weiterverarbeitung und der Handel mit gebrauchten Textilien ein bedeutender Wirtschaftsbereich in vielen afrikanischen Ländern ist, der tausende Arbeitsplätze schafft.

Textilrecycling kann nur dann ohne Gebrauchtkleider-Verkauf bestehen, wenn der Verbraucher direkt oder indirekt für das Textilrecycling bezahlt.