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TEXAID-Newsletter 01/2026: unsere Sicht zur Revision USG/VVEA und Stellungnahme zu den Zielen von Fabric Loop

Revision USG/VVEA

TEXAID anerkennt die Zielsetzung grundsätzlich, da die Vorlage einen wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft darstellt. Trotzdem ist zu berücksichtigen, dass das heutige System im Textilbereich unserer Ansicht nach grundsätzlich funktioniert: Sammlung, Sortierung und Verwertung sind aktuell kostendeckend organisiert, insbesondere durch die Einbindung europäischer Märkte und Wertschöpfungsketten. Das System beruht auf einer internationalen Arbeitsteilung, bei der insbesondere Sortierung und Verwertung teilweise in spezialisierten Anlagen im europäischen Ausland erfolgen.

Gleichzeitig sehen wir in der aktuellen Ausgestaltung – insbesondere im Bereich der Branchenorganisationen - erhebliche Risiken für Wettbewerb, Effizienz und Innovationsfähigkeit. Eine verpflichtende Verlagerung dieser Schritte in die Schweiz würde zu substanziellen Mehrkosten führen, ohne dass ein entsprechender ökologischer Mehrwert erzielt wird. Im Gegenteil besteht das Risiko, dass Skaleneffekte verloren gehen und bestehende, effiziente Verwertungsstrukturen geschwächt werden. Eine ausschliesslich nationale Ausrichtung würde die Kostenstruktur somit deutlich verschlechtern und die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems beeinträchtigen, ohne einen relevanten ökologischen Mehrwert zu schaffen.

Auch die verfügbaren Daten bestätigen die Leistungsfähigkeit des bestehenden Systems: Gemäss der BAFU-Erhebung zur Kehrichtsackzusammensetzung 2022 befinden sich rund 4.1 kg Textilien pro Person im Kehricht, wovon gemäss BAFU etwa 1 kg als sinnvoll stofflich verwertbar gilt.

Daraus ergibt sich ein zusätzliches Potenzial von rund 9’000 Tonnen pro Jahr, was in der Schweiz ein mögliches Gesamtsammelpotential an recyclingfähigen Altkleidern von 72'500 Tonnen bedeuten würde.

Das bestehende Sammel- und Verwertungssystem in der Schweiz erfasst mit einer jährlichen Sammelmenge von rund 62’000 Tonnen bereits rund 85 % der sinnvoll verwertbaren Textilien. Diese Zahlen zeigen, dass das bestehende System einen sehr hohen Wirkungsgrad erreicht und das verbleibende zusätzliche Potenzial begrenzt ist.

Vor diesem Hintergrund ist eine Ausweitung der Sammlung über dieses Potenzial hinaus kritisch zu beurteilen. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern, z.B. Deutschland oder Schweden, zeigen, dass eine Sammelpflicht für sämtliche Textilien zu einer Überlastung bestehender Sammel-, Sortier- und Verwertungssysteme führt.

Die zusätzliche Erfassung grosser Mengen minderwertiger oder nicht verwertbarer Textilien hat dort zu erheblichen Marktverwerfungen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette geführt; entsprechende Regelungen wurden teilweise wieder angepasst.

Eine vergleichbare Entwicklung würde auch in der Schweiz das heute funktionierende System gefährden und zu einer Verschlechterung der Gesamtleistung führen, anstatt zusätzliche ökologische Vorteile zu schaffen.

Vor diesem Hintergrund erachten wir insbesondere folgende Punkte als zentral für eine praxistaugliche Umsetzung: 

  • Einbindung der heutigen Akteure entlang der Sammel-, Sortier- und Verwertungskette
  • Sicherstellung von Wettbewerb und Systemoffenheit
  • Vermeidung struktureller Monopolisierungstendenzen
  • Möglichkeit für alternative bzw. eigenständige Systeme (inkl. Opt-out)
  • Einbindung internationaler Wertschöpfungsketten zur Sicherstellung wirtschaftlicher Tragfähigkeit

Texaid prüft derzeit zudem verschiedene Optionen zur Weiterentwicklung von EPR-Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

 

FABRIC LOOP VERÖFFENTLICHT AMBITIONIERTE ZIELE FÜR 2035
Fabric Loop hat am 18.03. ambitionierte Ziele publiziert, welche sie bis ins Jahr 2035 erreichen wollen.

Wir zitieren Fabric Loop: Die Ziele, welche sich die «Branche» (also Fabric Loop) nun gesetzt hat, geben die Stossrichtung dieses neuen Systems vor. Die verabschiedeten Ziele sind ehrgeizig und die Praxis wird zeigen, wo Stolpersteine liegen, die ausserhalb des Einflusses von Fabric Loop liegen. «Wir sind uns bewusst, dass die Ziele ambitioniert sind. Sie zeigen unser Commitment zu einem Systemwandel und geben uns die Stossrichtung vor. Wir setzen uns lieber ambitionierte Ziele und erreichen nur 80% davon, als dass wir unsere Ambitionen herunterschrauben.»

Fabric Loop spricht nicht für die Textilrecyclingbranche. Das Schweizer System der Altkleidersammlung, Sortierung und Verwertung funktioniert und wird kostendeckend betrieben. Fabric Loop beschreibt ein Problem, das in der Schweiz so nicht existiert.

 

Ziel 1: 100 % Sortierung in der Schweiz, lokaler Reuse-Anteil 10–15 %
Texaid verfügt heute über ausreichend Sortierkapazität für sämtliche in der Schweiz gesammelten Alttextilien. Eine Pflicht zu 100 % Inlandsortierung würde jedoch ausschliesslich Kosten erzeugen, ohne einen ökologischen Mehrwert zu generieren. Der grösste Nutzen im Textilrecycling entsteht beim Reuse (Second Hand Kleidung) – unabhängig vom Verkaufsort (Ökobilanz, Carbotech AG, 2012). Ein lokaler Reuse-Anteil von 10–15 % würde bedeuten, dass jede Person in der Schweiz – vom Kleinkind bis zur Grossmutter – jährlich rund 3,5 Second-Hand-Teile kaufen müsste. Das ist realitätsfremd.

 

Ziel 2: 60% Reuse und Recycling, mit Anteil von 30% Reuse, 20% Recycling und 10% Open-Loop Recycling
Stoffliche Verwertung (Reuse und Recycling)
Texaid erreicht heute eine stoffliche Verwertungsquote von 90 %. Setzt man diese in Relation zum gesamten Schweizer Potenzial – bestehende Sammelmenge plus noch unerschlossene Mengen – ergibt sich für die gesamte Textilrecyclingbranche bereits eine Quote von 77 %. Fabric Loop setzt sich als Ziel für 2035: 60 % – also 17 Prozentpunkte unter dem heutigen Wert.

Reuse
Texaid erreicht in der eigenen Sortierung heute bereits einen Reuse-Anteil von rund 60 %. Bezogen auf das gesamte Schweizer Sammelpotenzial liegt der branchenweite Reuse-Anteil bereits bei 51 %. Fabric Loop setzt sich als Ziel für 2035: 30 % Reuse – also 21 Prozentpunkte unter dem heutigen Wert.

 

Ziel 3: 0 % Deponierung
Dieses Ziel unterstützt Texaid vollumfänglich. Konsequent umgesetzt bedeutet es: Alttextilien aus der Schweiz dürfen ausschliesslich im europäischen Raum verarbeitet werden. Das erfordert verbindliche politische Vorgaben.

Zur Klarstellung: Schweizer Alttextilien sind nicht die Ursache der Vermüllungsprobleme in Ghana, Kenia oder Chile – diese Bilder betreffen andere Warenströme.

 

Ziel 4: Jährlicher Bericht über Finanz- und Stoffflüsse
Texaid veröffentlicht seit 2017 einen Nachhaltigkeitsbericht mit vollständiger Darstellung der Stoffströme. Transparenz ist für uns kein neues Ziel – sie ist gelebte Praxis. Wir sind überzeugt: Der Markt treibt Innovation und Technologieentwicklung – auch beim Fiber-to-Fiber-Recycling – aus wirtschaftlichem Eigeninteresse voran. Politischer Druck ist dafür nicht erforderlich.

 

Circular Workwear

Ziel des Forschungsprojekts war es, Designstrategien, geeignete Wiederverwendungsmodelle und Abläufe im Produktlebenszyklus zu untersuchen, um die Kreislauffähigkeit von Kleidern zu fördern.

Gebrauchte weisse Arbeitskleidung aus Polyester-Baumwoll-Gemisch von CWS diente als Ausgangsmaterial und wurde zuerst durch TEXAID sortiert und von Störstoffen befreit. Konkret wurden Knöpfe und Reissverschlüsse entfernt, damit das Material beim nächsten Schritt optimal verarbeitet werden konnte.

In Italien wurde das Material zu Fasern gerissen, mit neuen Rohstoffen vermischt und schliesslich verspinnt. Somit konnte ein Recycling-Anteil von bis zu 39% erreicht werden. Die daraus entstandenen Stoffe wurden in der Slowakei zu neuen Arbeitskleidern konfektioniert. Dabei wurde darauf geachtet, dass möglichst wenig Knöpfe angebracht werden, um ein künftiges Recycling vereinfachen zu können. Heraus kamen ein Poloshirt, ein Mantel, eine Hose mit Elastikbund und eine Tunika.

Das Projekt zeigt auf, dass eine Wertschöpfungskette innerhalb Europas möglich ist. Im Vergleich zu Neuware sind die Recyclingprodukte allerdings eher teuer und qualitativ nicht auf dem gleichen Level. Es sind daher weitere Optimierungen erforderlich, um sicherzustellen, dass recycelte Arbeitskleidung den Qualitäts- und Leistungsstandards der industriellen Wäscherei entspricht. Auch die Verfügbarkeit, Qualität und Übertragung von Daten stellen nach wie vor eine Herausforderung dar, insbesondere aufgrund fehlender oder unklarer Angaben zur Materialzusammensetzung der Arbeitskleidung.

 

NuCollect

NuCollect hat sich zum Ziel gesetzt, ein innovatives System für die Sammlung und Sortierung von Alttextilien zu entwickeln, das die Bürger aktiv einbezieht. Die Idee: Zwei unterschiedlich gekennzeichnete Sammelsäcke sollen den Bürgern helfen, ausrangierte Kleidung zu Hause vorzusortieren – in wiederverwendbare Textilien (Reuse) und recycelbare Materialien (Recycle).

Während der Sammelphase (September-Oktober 2025) wurden rund 1’000kg gebrauchte und vorsortierte Textilien gesammelt. Die Auswertung ergab, dass rund 89% der Textilien für das Recycling geeignet waren, was das Potenzial des Systems verdeutlicht. Bei einer Befragung der Bevölkerung kam heraus, dass viele verunsichert sind, was in den Container gehört und was nicht. Das unterstreicht die Bedeutung klarer Kommunikation.

Als nächster Schritt werden, aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen und mit Hilfe zusätzlicher Mittel, Sortiersprints mit unterschiedlichen Zielgruppen durchgeführt, um so den Prozess der Vorsortierung zu beobachten und die Herausforderung der Bürgerinnen und Bürger besser zu verstehen. So soll eine fundierte Implementierungs- und Kommunikationsempfehlung ausgesprochen werden können.

Was TEXAID sammelt und was nicht in unsere Altkleidercontainer gehört, finden Sie am Ende dieses Newsletters.

 

Was darf ich alles in den Textil-Container werfen?

Ihre aussortierten Kleidungsstücke, Schuhe und Haushaltstextilien verpacken Sie bitte in einem zugeschnürten, reissfesten Plastiksack, um die Textilien vor Schmutz zu schützen.

TEXAID sammelt:

  • saubere Damen-, Herren- und Kinderkleidung
  • Lederbekleidung und Pelze
  • saubere, noch tragbare Schuhe (paarweise gebündelt)
  • saubere Tisch-, Bett- und Haushaltswäsche
  • saubere Unterwäsche und Socken
  • Gürtel und Taschen
  • Daunendecken und -kissen
  • Plüschtiere

Bitte beachten Sie aber, dass schmutzige Textilien, Schnittreste, Matratzen, Sitzkissen oder Ski- und Schlittschuhe nicht verwertet werden können und somit nicht von uns angenommen werden. Auch defekte Funktionsbekleidung eignet sich nicht für Recyclingprozesse.

Wir bedanken uns bei Ihnen für die korrekte Entsorgung.

 

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