Forschung

Die Produktion von Kleidung und Schuhen verursacht eine hohe Belastung für die Umwelt. Zur Herstellung textiler Fasern benötigt die Bekleidungsindustrie immer grössere Mengen an Energie, Wasser und Erdöl. Schon zur Herstellung eines einzigen T-Shirts werden über 2700 Liter Wasser benötigt.

Um wertvolle Ressourcen und die Umwelt zu schonen, sind geschlossene Textilkreisläufe notwendig. Indem entsorgte Textilien professionell gesammelt, hochwertig sortiert und erneut dem Verwertungskreislauf zugeführt werden, leistet TEXAID einen wichtigen Beitrag dazu. Die kommerzielle Herstellung von Textilien aus recycelten Altkleidern befindet sich in der Entwicklungsphase.

Rohstoff Alttextilie
Um den Rohstoff Alttextilie noch effizienter zu nutzen und dauerhaft natürliche Ressourcen sowie die Umwelt zu schonen, ist die Forschung gefordert. TEXAID engagiert sich deshalb in verschiedenen Forschungsprojekten. Technologien zur Identifizierung der Materialzusammensetzung und Fasertrennung werden erarbeitet, mit dem Ziel ein hochwertiges Ausgangsprodukt zu erreichen, das länger im textilen Kreislauf bleibt.

Unser Ziel ist ein hochwertiges Ausgangsprodukt, dass in den textilen Kreislauf zurückgeführt werden kann.

FÖRDERUNG VON FORSCHUNGSPROJEKTEN

Zusammen mit der Hochschule Luzern und Coop engagiert sich TEXAID im Forschungsprojekt «Texcycle». Das Ziel des Projekts ist es, einen neuen Upcycling-Rohstoff zu generieren, der sich für verschiedene Anwendungsbereiche eignet. Mit dem Projekt «Texcycle» will TEXAID dazu beitragen, den textilen Kreislauf um ein weiteres Stück zu schliessen.

TEXAID sammelt in der Schweiz jährlich rund 36 000 Tonnen Altkleider und sorgt dafür, dass diese ökologisch sinnvoll wiederverwendet werden. Rund 65 Prozent der gesammelten Textilien werden als Secondhand-Kleidung wiedergetragen. Beim restlichen Anteil handelt es sich um Textilien, die nicht mehr tragbar sind. Diese werden im Downcycling-Verfahren zu Putzlappen, Dämmstoffen oder Reisswolle verarbeitet und dienen so einem neuen Verwendungszweck. Ziel des Projekts ist, eine noch bessere Verwendung dieser Qualitäten zu erreichen, sodass die Materialien für hochwertigere Produkte verwendet werden können. Damit könnte der Rohstoff «Alttextilie» noch nachhaltiger genutzt werden.

Verfolgung des «Close the Loop»-Ansatzes
Im Projekt «Texcycle», eine Zusammenarbeit zwischen TEXAID, der Hochschule Luzern und Coop, soll ein optimierter Rohstoff für ein hochwertiges Recycling generiert werden. Dafür werden in einem ersten Schritt die momentanen Prozesse der Altkleideraufbereitung analysiert und für neue Anwendungsgebiete optimiert. Das Projekt orientiert sich am «Close the Loop»-Ansatz und somit der Frage, wie textile Kreisläufe nachhaltig und ganzheitlich geschlossen werden können. Der Rohstoff aus den nicht mehr tragbaren Altkleidern soll dann in neuen Einsatzbereichen Verwendung finden.

Kooperation mit Wissenschaft und Handel
Seit Januar 2018 arbeiten die drei Partner intensiv an der Projektumsetzung (Dauer: 18 Monate). TEXAID hat die Kooperation mit Coop und der Hochschule Luzern angestossen. Das Ziel von Coop am gemeinsamen Projekt ist es, Möglichkeiten für hochwertige und nachhaltige Recyclingrohstoffe zu evaluieren und dessen Einsatz in Produkten zu prüfen. Mit dem Projekt will Coop einen Beitrag zum Thema «Close the Loop» im Textilbereich liefern. Innerhalb der Hochschule Luzern wird dieses Projekt in enger Zusammenarbeit der beiden Departemente Design & Kunst und Technik & Architektur durchgeführt. Ein designgetriebener Forschungsansatz bietet die Möglichkeit die hochkomplexe Nachhaltigkeitsproblematik der textilen Kreisläufe aus einer designspezifischen Perspektive neu anzugehen. Welche textilen Materialien liegen nach den heutigen Sortiermöglichkeiten der Altkleideraufbereitung vor und auf welche Art und Weise lassen sie sich neu verarbeiten? Wie könnte eine neue Produktpalette mit neu gewonnenen Materialien aus Alttextilien aussehen? Neben theoretischem Wissen erstellt die Hochschule Luzern in diesem Projekt diverse Prototypen für neu definierte Einsatzbereiche, damit die erarbeiteten Konzepte und Materialien physisch überprüfbar werden.

Gefördert wird das Projekt von Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung.

Weiterführende Informationen:
Hochschule Luzern

TEXAID engagiert sich seit März 2017 am schwedischen Forschungsprogramm Mistra Future Fashion. Damit will TEXAID sein Know-how im Bereich der ökologischen Sammlung, Sortierung und Verwertung von Textilien einbringen und zur Weiterentwicklung von Textilrecycling-Methoden beitragen. 

Mistra Future Fashion wurde 2011 durch die Schwedische Stiftung für strategische Umweltforschung gegründet und ist ein überdisziplinäres Forschungsprogramm mit der Vision einen Closed-Loop in der Fashion- und Textilindustrie zu erreichen sowie den nachhaltigen Konsum zu fördern. Das Programm ist in vier Bereichen gegliedert: Design, Textilproduktion, Konsumenten und Textilrecycling. Am Forschungsprogramm beteiligen sich inzwischen über 50 Forschungs- und Industriepartner; darunter auch TEXAID.

Weiterführende Informationen:
Mistra Future Fashion


Projekt Re:Mix
Das Projekt Re:Mix gehört zum 4. Forschungsbereich von Mistra Future Fashion – dem Textilrecycling. Das Ziel des Projekts ist es, Nylon- und Elastan-Fasern von Stoffgemischen zu trennen, damit diese anschliessend recycelt werden können.

Die meisten Kleidungsstücke bestehen aus einem Gemisch von verschiedenen Materialien. Um diese hochwertig recyceln zu können, müssen die verschiedenen Fasertypen voneinander getrennt werden. Re:Mix beschäftigt sich mit technischen Methoden, um Nylon und Elastan von anderen Fasern trennen zu können. Dafür gibt es zwei verschiedene Vorgehensweisen: Eine mechanische Schmelztechnik sowie eine enzymatische Technik. Diese beiden Methoden werden nun optimiert und analysiert sowie überprüft, ob sie sich auch für grosse Mengen eignen.

Weiterführende Informationen:
Mistra Future Fashion / Projekt Re:Mix

TEXAID ist als Fördermitglied dem Europäischen Aktionsplan für Bekleidung – ECAP beigetreten. Das von der EU finanzierte Projekt hat das Ziel die grossen Mengen an Kleidungsabfällen in Europa zu reduzieren und in einem Kreislaufwirtschaftsansatz einzubetten. Dazu wurde ein paneuropäischer Rahmen entwickelt, der sich auf Massnahmen konzentriert, damit weniger minderwertige Textilien verbrannt werden.

Weiterführende Informationen:
Europäischer Aktionsplan für Bekleidung (ECAP)

TEXAID beteiligt sich in der Arbeitsgruppe des Projekts «Fibersort». Das heisst, TEXAID nimmt an Gesprächen rund um das Projekt teil und liefert bei Bedarf Daten aus der Praxis für Analysen.

«Fibersort» ist eine Technologie, die automatisch grosse Mengen an Alttextilien nach Faserzusammensetzung sortiert. Die effiziente Sortierung von Recyclingqualitäten nach ihrer Zusammensetzung ist die Basis für ein hochwertiges Recycling und somit für einen geschlossenen Textilkreislauf.

Weiterführende Informationen:
North-West Europe

Die nachhaltige Nutzung von Textilien und die damit verbundene hochwertige Erfassung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien – das sind die Ziele, welche die Gemeinschaft für textile Zukunft (GftZ) seit ihrer Gründung 2014 verfolgt. Hauptaufgabe der Interessengemeinschaft ist es, Leitlinien für den nachhaltigen Umgang und die hochwertige Verwendung von Alttextilien zu entwickeln und zu etablieren. TEXAID ist seit 2015 Mitglied in der Gemeinschaft für textile Zukunft. In diesem Rahmen werden unter anderen zwei interessante Projekte unterstützt.

Weiterführende Informationen:
Gemeinschaft für textile Zukunft

Projekt: Dissolving on Demand
Viele industriell produzierte textile Güter bestehen aus artfremden, fest miteinander verbundenen Materialien. Dies ist beispielsweise bei vielen Textillaminaten der Fall. Zurzeit können jedoch die wenigsten dieser Verbünde recycelt werden. Grund dafür ist, dass sich die Verbünde technologisch nicht auftrennen lassen oder eine Auftrennung nicht wirtschaftlich ist, um die Verbundbestandteile sortenrein dem Recyclingprozess zuzuführen. Zumindest ein grösserer Teil der Mischabfälle soll nun mit Hilfe der neuen Technologie der Kreislaufwirtschaft zugänglich gemacht werden.

Neuartiges Mikrokapselsystem
Ziel des Projekts «Dissolving on Demand» ist, die Entwicklung eines Nähgarns, das sich bei Bedarf auflöst. Basis für das Auftrennen der Verbünde ist ein neuartiges Mikrokapselsystem, das in das Nähgarn eingearbeitet ist. Am Ende des Lebenszyklus werden die polaren Kapseln durch gezielte Mikrowellenbestrahlung aktiviert und bewirken dabei, durch die Freisetzung eines Lösungsmittels, die Schwächung des Verbunds. Während des Nutzungsphase des Kleidungsstücks sollen die Gebrauchseigenschaften des Textilverbunds, wie chemische und thermische Beständigkeit, durch die Mikrokapseln nicht beeinträchtigt werden.

Weiter werden im Forschungsvorhaben konkrete Konzepte für ein Upscaling und die Integration der Technologie in den realen Recyclingkreislauf evaluiert.

Projekt: Markers for better Sorting
Das Ziel dieses Projekts ist es, ein branchenorientiertes Konzept für die Codierung von Textilien zu entwickeln.
Auf Markern im Garn wird codiert, welche Bestandteile recycelfähig sind und welche nicht. Damit wird die Identifizierung, Rückverfolgung und die Möglichkeit der Wiederverwertung von Textilprodukten verbessert. Im selben Zug soll auch eine Empfehlung für die Implementierung der Codierungen im Textilsektor erarbeitet werden.

 

TEXAID ist Mitglied bei World Apparel and Footwear Lifecycle Assessment Database (WALDB) für Bekleidung und Schuhe. Ziel ist die Förderung von Datenbeschaffung für nachhaltige Prozesse und Strukturen in der Modebranche.

WALDB ist eine globale Initiative, die von Quantis, einem führenden Anbieter von Nachhaltigkeits- und Ökobilanz-Know-how, gegründet wurde. WALDB-Partner sind führende Unternehmen der Textilbranche. Sie arbeiten zusammen, um umfassende Datensätze zu sammeln, die auf ihren Primärdaten und auf vorhandenen Daten aus wissenschaftlichen Studien basieren.

Umwelt-Hotspots identifizieren
Die Datensätze werden kontinuierlich nach den Bedürfnissen der Partner erweitert und jährlich veröffentlicht. Sie umfassen zum Beispiel Zahlen und Informationen über die Lieferketten zu den Materialien Wolle, Baumwolle und Leder oder Kleidungsstücke wie Hemden, Pullover, Hosen und Schuhe. Die Initiative ermöglicht es Bekleidungs- und Schuhunternehmen Umwelt-Hotspots entlang ihrer Wertschöpfungskette zu identifizieren. Weiter soll die Initiative helfen, Vorteile von Verbesserungs- sowie Reduzierungsmassnahmen zu quantifizieren und individuelle Fussabdrücke im Vergleich zum Branchendurchschnitt zu vergleichen.

Weiterführende Informationen:
Quantis